Diesen Space will ich mit Gedanken über Contortion befüllen. Wenn du beim Pancake, Frosch, Spagat und anderen sehr beweglichen Figuren erst die Aufwärmübungen und Basics siehst, bist du vermutlich in der Contortion unterwegs.
Meine erste Berührung damit war sicher in einer Show im Zirkus – aber so richtig spannend wurde das Thema für mich erst, als ich mich spontan für einen ziemlich intensiven Workshop mit Serchmaa Byamba, gehostet von Zohar Palacio, angemeldet habe. Zuerst gedacht, um ein paar Inputs über richtige und nachhaltige Beweglichkeit abzuholen, ist es unterdessen soweit ausgeartet, dass ich das Verständnis davon in jedem Training nutze und nun wöchentlich ein spezifisches Contortion Training durchführe. Ich bin süchtig geworden. Aber warum fühlt es sich so gut an, den gesamten Körper geschmeidig und beweglich zu machen und in alle Richtungen zu biegen, insbesondere tief in den Rücken?
Meine Brücke während dem Contortion Workshop. Ich bin blutige Anfängerin, verglichen mit den Profis und den anderen Teilnehmerinnen. Photo credit: @steve_w_grams
Der Wunsch nach dem Rädern
Unermessliche Beweglichkeit – Contortionistinnen sind Meisterinnen der Muskel- und Körperkontrolle. Es geht um Isolation, um Expansion. Ich schätze, dass mit dem richtigen Training eigentlich so ziemlich alle Menschen enorme Beweglichkeit aufbauen können. Hypermobilität hilft vielleicht, aber der Effekt von konsistentem spezifischen Training darf nicht unterschätzt werden, und ohne das benötigte Krafttraining kann auch keine hypermobile Person eine gute Contortionistin werden. Es wäre vermutlich eher fahrlässig, weil die Verletzungsgefahr in extremen Positionen ohne stabilisierende Muskeln sehr gross sein kann. Es ist daher für alle Menschen unglaublich viel Arbeit, es sind nur nicht alle bereit dafür, diese zu investieren.
Es handelt sich um ein schrittweises Heranführen des Körpers an eine Erweiterung, ein Aufbau von aktiver Beweglichkeit. Man braucht starke Muskeln, damit der Körper sich in spezifischen Positionen sicher fühlt und die Bewegung zulässt.
Während meines ersten Workshops bin ich ohne Vorwarnung viel zu stark in tiefe Backbends gegangen, und da sich mein Körper dies nicht gewöhnt war, war ich wahnsinnig verspannt. Heute freue ich mich auf jede Session und kann meinen Rücken immer mehr belasten. Oft spüre ich schon das Bedürfnis nach Backbends – das hatte ich früher nie. Das tägliche Ausrollen vom Rücken auf der Blackroll ist Routine geworden und ich kann ohne kaum einschlafen.
Faszination Mini-Fortschritte
Nach jedem Training bin ich verspannt und der Muskelkater dauert gut bis zu zwei Tage, aber sobald ich mich erholt habe, ist ein Unterschied spürbar. Es ist unglaublich, da ich schon viele Jahre an meiner Beweglichkeit arbeite, und noch nie derart konsistente Ergebnisse erlebt habe. Es fühlt sich an, als hätte ich all die Jahre komplett falsch trainiert. Jede kleinste Erweiterung der Range of Motion gibt mir ein Gefühl der Freiheit und Kontrolle über meinen Körper und lässt mich in der Illusion, dass ich alles entwickeln und erreichen kann. Dopamin kickt.
Unterdessen einen Pancake, bald auch hoffentlich meinen Nemesis Front Split und in Zukunft beeindruckende Contortion-Figuren wie Snake und Pretzel zu beherrschen oder nur schon meine Füsse an den Kopf zu bringen, lässt mich weiter dran bleiben. Manche Bereiche sind widerständiger, manche einfacher zugänglich. Was für mich besonders wichtig und motivierend ist: Die Fortschritte übersetzen sich direkt in mein Aerial Training. Ich habe meine Trainingsfreundinnen im Bereich Beweglichkeit weit überholt, obwohl ich bis zu zehn Jahre älter bin als einige.
Einen systematischen Plan zu verfolgen und immer wieder mit Coaching dem Fortschritt entsprechend anzupassen und erweitern ist scheinbar so viel sinnvoller als random Stretching Übungen über Jahre zu machen. Ich bin Yoga unglaublich dankbar, aber die Disziplin von Contortion bringt meinen Körper aus irgend einem Grund viel schneller viel weiter. Mal schauen, wo ich in einem, fünf, zehn Jahren stehe oder besser: Auf welchem Körperteil ich stehe…
Wir helfen Frauen und Männern in getrennten und kostenlosen Kursen, schwimmen zu lernen. Wir sind alles freiwillig engagierte Personen und organisieren uns kollektiv innerhalb der jeweiligen Kurse. Es gibt verschiedene Kursformen – einige finden wöchentlich statt, ohne Ende, einige haben klar definierte Kursdauern. Grundsätzlich sind die Kurse für alle offen, jedoch sind es meiner Beobachtung nach oft Personen aus arabischen Ländern, welche in die Schweiz kommen, jedoch nie gelernt haben zu schwimmen!
Ich finde das verrückt. Für mich ist Wasser unglaublich wichtig – der reinigende und erdende Effekt – ich bewege mich darin so intuitiv und vertraut. Es ist eine grosse Freiheit, keine Angst vor Wasser zu haben und einfach jederzeit ein Bad zu nehmen, reinzuspringen, wegzuschwimmen.
Darum möchte ich mithelfen, dass andere Menschen sich auch so wohl fühlen mit Wasser, dass sie ein Verhältnis zu ihrem Körper und ihren Bewegungen in diesem grossartigen Medium entwickeln. Jede Person, welche Lust hat, sich ebenfalls für dieses Thema zu engagieren, ist willkommen – man muss keine Leistungsschwimmerin sein. Es gibt auch die Möglichkeit, statt in Kursen, als Tandempartner*in zu helfen. Es macht abgesehen von allem anderen, auch einfach super Spass und wir haben meistens eine tolle Zeit zusammen im Wasser.
Menschen retten, welche von den Küstenwachen der reichen Nationen abgewimmelt oder sogar angegriffen werden. Die Vision einer humanen Gesellschaft, welche Geflüchtete aufnehmen statt abwimmeln will, resoniert mit meiner Weltsicht und das allein ist schon Grund genug, das Projekt zu unterstützen. Die Sea Punks unterhalten seit 2023 ein Rettungsschiff, welches dann auch Sea Punk I heisst und befahren damit das Mittelmeer auf der Suche nach Menschen in Not. Ganz aktuell benötigen sie finanzielle Unterstützung, da sie das Schiff reparieren und inspizieren mussten.
Der monatliche vorgeschlagene Beitrag von 13.12 Euro gefällt sowieso. Check das Projekt doch mal ab.
Shrub kombiniert Fruchttier-Lieblingskomponenten: Früchte, Zucker, Essig. Scheinbar kann die Fermentation im gekochten Fruchtsirup stattfinden, oder aber auch mit der kalten Methode, indem man die gezuckerten Früchte stehen lässt, und erst dann den Essig dazu gibt. Die Früchte können wohl sehr lange aufbewahrt werden – Profitipp, den ich letzte Woche erhalten habe!
Was ich bisher probiert habe:
Erdbeer-Rhabarber-Shrub
Pfirsich-Ingwer-Shrub
Meine Inspiration kam von:
„Speisekammer“ von Lisa Eisenmann-Frisk und Monica Eisenman
Ich sehe die Welt. Enantiodromia, als Konzept vom Ausgleich von Zuständen, ist überall zu erkennen. Wenn man will, kann man jede Bewegung darauf zurückführen. Vielleicht geht das aber auch zu weit. Mir gefällt auch einfach der Klang des Wortes. Aber was bedeutet es inhaltlich für mich?
Schattentanz
Schattenarbeit hat mich schon viele Jahre begleitet. Ich habe sie durch das Buch „Shadow Dance“ von David Richo kennengelernt und war komplett fasziniert. Der Schatten sind die unbewussten Aspekte der Psyche, ob positive oder negative, welche man zuerst integrieren muss. Man wächst dabei. Je weniger unbewusste Aspekte vorhanden sind, sprich je kleiner der Schattenanteil, desto ausgeglichener kann man werden – oder so meine laienhafte Auslegung. Ausgeglichen heisst für mich nicht, dass man keine extremen Emotionen empfindet. Es geht mehr darum, zu wissen, warum sie kommen, sie einzuordnen und sich dann auch regulieren zu können.
Für mich hat die Beschäftigung damit unglaublich viel eröffnet und geklärt. Meine blinden Flecken wurden kleiner. Ich konnte unter anderem meine eigene Schuld an meinem Wesen ein Stück weit ablegen und mich selbst viel besser akzeptieren. Es wurde möglich, gewisse Anteile, welche ich verdrängen wollte, auf eine positive Weise zu entwickeln und ich empfinde sie heute nicht mehr als versteckenswert. Es wurde mir bewusst, dass das Verdrängen und Verstecken gar nicht funktionieren kann. Daher musste ich lernen, mit dem, was da ist, umzugehen und etwas Besseres daraus zu machen, etwas, womit ich leben kann. Unterdessen bin ich auch derartige Seiten von mir sogar stolz.
Auch im Umgang mit dem Umfeld entstanden Transformationen: Ich begann, meine Gefühle gegenüber anderen Mädchen und Frauen einzuordnen und mich aus Dynamiken von Eifersucht und toxischer Weiblichkeit herauszuarbeiten. Mein Verständnis für andere Meinungen, Haltungen und Verhaltensweisen hat sich verstärkt. Ich gehe immer davon aus, dass andere auch zuerst ins Extrem gehen müssen, bevor sie die Verwandlung durchmachen bzw. eine Balance finden werden. Ich musste Menschen aus meinem Leben entfernen, welche die schlechten Aspekte meines Schattens verstärkten, welche auf dem Weg der Transformation in eine andere Richtung gingen. Ich relektiere oft über Schatten, was andere Personen in mir und meinen unbewussten Seiten auslösen, und beobachte auch gerne Dynamiken bei anderen Menschen.
Die Verbindung
Und was haben die Schatten mit Enantiodromia zu tun: Schon sehr viel. Enantiodromia ist nun die Kraft, welche die Spannungen in Balance bringen will – sie lässt die Schatten an die Oberfläche kommen. Sie zeigt dir mittels einer unerwartet starken Reaktion ganz klar, dass etwas ausgelöst wird, dass etwas in dir berührt wird und du kannst vielleicht sogar etwas über dich lernen und herausfinden. Eine Krise, eine harte Zeit, kann dir viel über dich zeigen, und dich bewusster und stärker aus der Situation gehen lassen. Beim nächsten Mal weisst du schon etwas mehr über dich. Je mehr du dich kennst, desto weniger überrascht wirst du. Wenn du mehrmals das gleiche Muster wiederholst, wird es dir immer wieder von deiner Schattenreaktion aufgezeigt. Lern endlich, sagt Enantiodromia…
Vielleicht hat Enantiodromia auch mit dem Starten dieses Blogs zu tun – ich kann nicht länger still sein. Viele Jahre braut sich die Wut in mir zusammen und trotzdem bleibe ich ruhig und still.
Enantiodromia ist eine Verwandlung, eine Umwandlung, von einem Extrem ins Andere. Ein Ausgleich, ein Suchen von Harmonie und Balance. Es ist immer etwas anderes, aber für mich heute gerade die Umkehr von Schweigen und Still sein dazu, meiner Stimme einen Raum zu geben. Ich will laut sein und den Welt-Zerstörern die Bühne streitig machen. Ich darf nicht länger still sein.
Fuck fascism, fuck capitalism and fuck imperialism – lasst zu, dass Enantiodromia uns zu Toleranz, grenzenfreien Welten und Frieden führt. Das Leben ist zu wertvoll, um es mit euren unnötigen Kriegen zu verschwenden.